Französisch lernen – mit Kopf, Herz und Hand – und viel Spass
Wie aus Früchten Gesichter und aus Wörtern Begeisterung wird: Ein spielerisches Französischprojekt das Lernen, Kreativität und Fantasie lebendig verbindet.
In der Unité 4 – ungefähr zur Halbzeit des ersten Französisch-Lernjahres – lernten die Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse die Bezeichnungen für die Gesichts- und Körperteile. Die Abschlussarbeit war ein Kopf, gestaltet mit Früchten und Gemüse, nach dem Vorbild des italienischen Künstlers Giuseppe Arcimboldo (geboren 1526-1593), der Fürsten und Könige mit organischen Materialien, mit Früchten, Gemüse, aber auch mit Wurzeln und Pflanzen porträtierte. Spielerisch und mit einem Augenzwinkern zeigte Arcimboldo vor fast 500 Jahren den Fürsten ihre Vergänglichkeit auf. Es entstanden Bilder, die einerseits Porträts und gleichzeitig Stillleben waren. Nach diesem Vorbild gestalteten die Kinder Gesichter, die sie beschreiben und später aufessen konnten.
Auf dem Weg zu dieser Aufgabe übten die Kinder die Gesichts- und Körperteile mit Knete. Sie formten lustige kleine Monster, die sie später nach Hause nehmen durften. Zuhause entwickelten manche Figuren ein Eigenleben. Zwei Mädchen gestalteten aus ihren Figuren eine Grossfamilie mit vielen kleinen Monstern und spornten sich gegenseitig an, wer die kleinste Figur formen konnte. Cornelia Thürlemann, Französischlehrperson an der Gönhard Primarschule, war sehr beeindruckt, welche Dynamik beim Lernen entstehen kann. Wie das, was in der Schule gelernt wird, zuhause verwandelt wird. Wie dynamisch die Kinder ein Thema aufnehmen und es mit Begeisterung neu umsetzen. Sogar freiwillig! Bei den Figuren eine offensichtliche Verwandlung, bei vielen anderen Lernstoffen ist dieses Verwandeln und Verändern in etwas Eigenes nicht so offensichtlich, aber es findet bestimmt auch da statt.
Dieses Beispiel aus dem Lehrmittel «Dis donc 5» zeigte, wie das Lernen einer Fremdsprache dynamisch ist und auch viele andere Themen antippt, das eigene Tun, das Formen und Gestalten, Fantasie, Kommunikation, Spass und einen Exkurs in die Kunstgeschichte, hin zu Menschen, die vor 500 Jahren ebenfalls Spass am spielerischen Gestalten hatten. Der Name Arcimboldo ist Omen. Er baute mutig Brücken zwischen Nahrungsmitteln und Bildern, die auf den ersten Blick nichts mit den miteinander zu tun haben. Die sich aber Stück für Stück zu einem Ganzen verbinden, einem neuen Bild, einem Gesicht.









